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S&P stuft Kreditwürdigkeit der USA herab, na und!? Börse paradox...

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Rubrik: Aktuell

 

Am Freitag, dem 5. August 2011, stufte die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) nachbörslich die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika von der Höchstnote „AAA“ auf die zweithöchste Note „AA+“ ab und versah auch das neue Kreditrating mit einem negativen Ausblick.

S&P stuft Kreditwürdigkeit der USA herab, na und!? Börse paradox... © ChaotiC_PhotographY - Fotolia.com

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Dies war auf den ersten Blick ein Schock und viele „Experten“ rechneten aufgrund dieser Abstufung der US-Bonität mit einem Börsencrash. Allerdings muss man die ganze Situation etwas differenzierter betrachten und genau das möchten wir heute an dieser Stelle auch tun.

Zunächst einmal wurde bekannt, dass Standard & Poors der US-Regierung bereits im Vorfeld mitgeteilt hatte, dass man beabsichtige die Kreditwürdigkeit der USA herabzustufen. In der Folge rechneten dann die Experten des amerikanischen Finanzministeriums wild herum und entdeckten dann in der Tat einen Berechnungsfehler von S&P, der ein Volumen von sage und schreibe zwei Billionen US-Dollar gehabt haben soll. Standard & Poors habe diesen Berechnungsfehler akzeptiert, sich jedoch trotzdem nicht von der beabsichtigen Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA abbringen lassen, hieß es dazu. Zwei Dinge sind an dieser Darstellung nun etwas „komisch“.

Zum einen forderte S&P vor dem Kompromiss im Streit um die Anhebung des US-Schuldenlimits Einsparungen im Haushalt der Vereinigten Staaten von Amerika im Volumen von vier Billionen US-Dollar über die nächsten zehn Jahre. Am Ende kam es jedoch „nur“ zu Einsparungen im Volumen von 2,5 Billionen US-Dollar über zehn Jahre, was am Ende der Grund für die Abstufung durch S&P gewesen sein soll. Wenn S&P sich jedoch um zwei Billionen US-Dollar verrechnet hatte, die Differenz zwischen dem von Standard & Poors geforderten Einsparvolumen in Höhe von vier Billionen US-Dollar und dem tatsächlich erzielten Einsparvolumen in Höhe von 2,5 Billionen US-Dollar somit nur 1,5 Billionen US-Dollar betrug, so stellt sich schon erstmalig die Sinnfrage dieser Abstufung. Doch diese wird sich gleich auch noch an anderer Stelle nochmal stellen, so dass ich diese erst einmal noch zurückstellen möchte.

Denn noch etwas anderes ist „komisch“. Und zwar stufte Standard & Poors die Kreditwürdigkeit der USA erst freitags nach Börsenschluss ab, Gerüchte über eine solch bevorstehende Abstufung gab es jedoch bereits vorher und der Markt brach bereits seit Montag, dem 1. August 2011, ein. Zunächst startete der DAX an diesem – aus heutiger Sicht denkwürdigen – Montag, aus Freude über den in letzter Sekunde erzielten Kompromiss im Streit um die Anhebung des US-Schuldenlimits, positiv in den Handelstag und übersprang dabei sogar nochmals die Marke von 7.300 Punkten. Dann, etwa gegen 10 Uhr, setzten jedoch plötzlich große Verkaufsorders ein und der DAX fiel in der Folge wie ein Stein. Wenn man bedenkt, dass S&P die Abstufung der US-Bonität zuvor mit der US-Regierung besprochen hat, so scheint es hier ganz klar zu verbotenen Insidergeschäften gekommen zu sein. Leider wird sich dies wohl niemals aufklären lassen, zumal auch weder von Seiten der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) noch vom „zahnlosen Tiger“ Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entsprechende Untersuchungen eingeleitet wurden, aber deutlicher als in diesem Fall geht es ja wohl kaum noch.

Aber sei es wie es sei, daran können wir sowieso erst einmal nichts ändern. Schauen wir uns daher lieber einmal an, ob und wie sinnvoll die Abstufung der US-Bonität durch Standard & Poors eigentlich ist. Und da kann man eigentlich nur zu einem einzigen Ergebnis kommen, nämlich das sie totaler Unsinn ist. Der legendäre Investor Warren Buffett sagte daher in einem TV-Interview zuletzt auch vollkommen zu Recht, dass er die Abstufung nicht verstehe, er den Vereinigten Staaten von Amerika sogar ein „AAAA“ geben würde, wenn es das denn geben würde und sein Unternehmen Berkshire Hathaway US-Staatsanleihen unverändert mit „AAA“ bewerte. Auch Ex-FED-Chef Alan Greenspan konnte die Abstufung durch S&P nicht verstehen, denn US-Staatsanleihen seien aus seiner Sicht die risikoloseste Geldanlage der Welt. Denn schließlich seien die USA nur in ihrer eigenen Währung, dem US-Dollar, verschuldet und bei Bedarf könne die US-Notenbank Federal Reserve (FED) stets so viele US-Dollar drucken, dass die US-Regierung ihre Schulden bedienen könne. Wenn Sie die Bücher des Börsenaltmeisters André Kostolany gelesen haben, dann wissen Sie auch, dass Warren Buffett und Alan Greenspan hier genau richtig liegen. Zwar kann es dadurch, dass man so exzessiv Geld druckt, früher oder später durchaus zu einer ausufernden Inflationsrate kommen, aber dies dürfte den aktuell handelnden Politikern, die dann wahrscheinlich nicht mehr im Amt sein werden, im Zweifel egal. Zumal diese zurzeit ja auch noch das „Glück“ haben, dass die deflationären weltwirtschaftlichen Kräfte nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 unverändert hoch sind und dadurch, dass die Banken ihre Bilanzen immer noch bereinigen müssen, viel des neu gedruckten Geldes in den „schwarzen Löchern“ der Bankbilanzen versickert.

Die Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch Standard & Poors ist somit alles in allem vollkommener Unsinn und wohl kaum der Grund für den zuletzt gesehenen Börsencrash, sondern allenfalls der Auslöser für diesen. Diese Einschätzung bestätigt auch ein Blick auf die Kursentwicklung der US-Staatsanleihen im Nachgang dieser Abstufung. Denn da S&P jetzt höhere Risiken bzgl. der Rückzahlung von US-Staatsanleihen sieht, müssten entsprechend der erfolgten Abstufung die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen fallen und somit die Renditen steigen. Doch erstaunlicherweise stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen trotz der Abstufung weiter, so dass die entsprechenden Renditen sogar noch sanken. Höhere Risiken, trotzdem weniger Zinsen, das ist schon ein wenig paradox, oder?

Doch damit sind wir noch immer nicht am Ende der aktuell sehr paradoxen Börsensituation. Denn während die Aktienmärkte, die Anleihenmärkte, die Devisenmärkte (der US-Dollar konnte zuletzt leicht gegenüber dem Euro aufwerten) und auch die Rohstoffmärkte (und hier insbesondere der Ölpreis) aktuell zumindest eine Rezession, wenn nicht gar eine Depression einpreisen, steigt der Goldpreis auf immer neue Allzeithochs. Da eine Wirtschaftskrise jedoch immer nur deflationären Charakter haben kann (Inflation erzeugt eigentlich immer Wachstum, schlimmstenfalls gibt es eine Stagnation und damit insgesamt eine sogenannte Stagflation), müssten in einem solchen Szenario alle Preise von Sachwerten und somit letzten Endes auch der Goldpreis fallen. Doch das tut er derzeit einfach nicht!

Womit wir beim letzten Paradoxon derzeit angekommen wären, nämlich Frankreich. Zunächst einmal die Fakten dazu. Die USA sind die bedeutendste Wirtschaftsmacht der Welt, Frankreich hingegen ist hinter Deutschland „nur“ die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas. Während das BIP der USA im Jahr 2010 bei ca. 14,5 Billionen US-Dollar lag, lag das BIP Frankreichs im Jahr 2010 bei ca. 2,5 Billionen US-Dollar, die USA sind also wirtschaftlich gesehen beinahe sechs Mal so hoch. Zuletzt wurde nun darüber diskutiert, dass Standard & Poors bald auch das „AAA“-Rating von Frankreich herunterstufen könnte. Und diese mögliche Abstufung Frankreichs kann derzeit richtig Angst machen. Denn anders als die USA hat Frankreich eben keine eigene Währung mehr, um notfalls Geld drucken zu können, um so seine Staatsschulden bedienen zu können. Doch so schlimm alleine dies schon ist, es kommt sogar noch schlimmer. Denn neben Deutschland ist Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone der größte Einzahler in die kürzlich aufgelegten Euro-Rettungsfonds ESFS sowie später ESM. Ganz abgesehen davon, dass die Umwandlung der Eurozone in eine Transferunion eigentlich gegen geltendes Recht verstößt und somit ohnehin fragwürdig ist, würden die entsprechenden Euro-Rettungsfonds bei einem Ausfall Frankreichs wahrscheinlich komplett zusammenbrechen.

Nachdem zuletzt schon Italien und Spanien unter Druck gerieten und hier die EZB/ECB mit dem Aufkauf von Staatsanleihen dieser Länder beginnen musste, um diese zumindest vorerst aus der Schusslinie der Finanzmärkte zu nehmen, greifen die „Big Boys“ nun also Frankreich und damit eines der „Geberländer“ an. Sollte es Ihnen dabei gelingen, Frankreich – vielleicht auch mithilfe der Ratingagenturen – quasi zu Fall zu bringen, dann wird es erst richtig kritisch und ungemütlich. Denn Deutschland alleine wird nicht die gesamte Eurozone retten können, zumal ja auch die Bundesrepublik Deutschland keinesfalls schuldenfrei ist. Zuletzt stiegen daher bereits die Prämien für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) französischer, aber selbst deutscher Staatsanleihen deutlich, was ein Hinweis auf die weitere Entwicklung sein dürfte. Eine Abstufung Frankreichs könnte daher den aktuell ohnehin schon gefährdeten Euro endgültig auseinander brechen lassen, was den Amerikanern sicherlich gelegen käme. Denn dann wäre der US-Dollar erst einmal wieder die absolut unumstrittene Weltleit- und Reservewährung, zumindest solange, bis sich die chinesische Regierung dazu durchringen kann den Renminbi Yuan endlich frei konvertierbar zu machen.

Wo man derzeit auch hinschaut, Börse paradox! Daher ist derzeit auch, trotz der Kursverluste zuletzt, auch noch nicht wieder die Zeit für den Einstieg in Aktien gekommen. Allerdings gehen wir davon aus, dass sich diese ganzen Paradoxe früher oder später auflösen und sich der Markt dann wieder normalisiert und stabilisiert. Dann besteht die große Chance, endlich wieder gute Aktien günstig einzusammeln. Halten Sie daher aktuell Cash vor (Cash is King!), am besten in US-Dollar. Und steigen Sie mit diesem Geld, sobald der Markt einen nachhaltigen charttechnischen Boden gefunden hat, sukzessive wieder in dann günstig gewordene Aktien guter Unternehmen ein.

Geld-Magazin.de, 13.09.2011


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