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Garantiefonds: Garantie geht zu Lasten Ertrag

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Garantiefonds werden derzeit stark nachgefragt. Denn wer will das nicht: Einen garantierten Ertrag. So können Anleger an den Börsen mitmischen, ohne das Verlustrisiko wie beim direkten Fonds- oder Aktienkauf einzugehen. Warum das zu Lasten des Ertrags gehen kann, und was Garantiefonds überhaupt sind ...

Seit 2005 hat sich die Zahl der Garantiefonds verdreifacht, inzwischen gibt es über 300 Angebote. Kein Wunder, nach der Börsentalfahrt 2008 und den damit verbundenen herben Verlusten, suchen Anleger Sicherheit. Diese Sicherheit bietet die Garantie des Anbieters.

Grundsätzlich gibt es zwei Formen des Garantiefonds: Mit und ohne Laufzeitbegrenzung.

Garantiefonds mit Laufzeitbegrenzung

Diese können in der Regel nur innerhalb einer bestimmten Frist, der sogenannten Zeichnungsfrist, gekauft werden. Die Laufzeit kann 3 Jahre, aber auch 15 Jahre betragen - je nach Gusto des Anbieters. Die Garantie bezieht sich auf die Rückzahlung zum Laufzeitende. Manchmal wird dies noch gekoppelt mit Garantien zu bestimmten Stichtagen. Beispiel: Wenn die Wertsteigerung nach einem Jahr x % (gemessen jeweils an einem Vergleichswert, wie z.B. DAX) ist, dann kriegen die Anleger als Mindestbetrag schon einmal Kaufpreis minus Ausgabeaufschlag plus einem bestimmten Anteil von x %. Also wenn der Fonds 10 % zugelegt hätte, würde der Anleger beispielsweise dann davon 2 % als Garantiewert rechnerisch zugewiesen bekommen. Realisiert werden kann diese "nachziehende Garantielinie" dadurch, dass nur ein Teil des Fondsvermögens in spekulative Papiere (auch Optionsgeschäfte auf Aktien oder Indizes) investiert wird, und ein andere Teil in festverzinsliche Wertpapiere. Während der Laufzeit werden durch die spekulativen Papiere Gewinne realisiert, die dann wieder nicht spekulativ, in festverzinsliche Papiere, re-investiert werden. So kann der Gewinn bis Laufzeitende stabilisiert werden.

Das heißt, generell ist bei diesen Fonds ein vorzeitiger Ausstieg möglich - je nach Gestaltung der Garantie dann eben ohne garantierten Betrag während der Laufzeit (volles Verlustrisiko) oder mit jeweils nachgezogenem Garantiewert. Dieser macht aber immer nur einen Bruchteil der tatsächlichen Wertsteigerung aus. Den Anteil nennt man Partizipationsquote - also die Quote, mit der der Anleger an Kursteigerungen partizipiert.

Tipp: Achten Sie genau auf diese Quote und lassen sich nicht durch "Garantie" blenden. Eine Partizipationsquote von 70 % sollte es sein, empfehlen z.B. die Experten von FINANZtest.

Garantiefonds ohne Laufzeitbegrenzung

Hier kann man jederzeit kaufen und verkaufen. Eine Garantie gibt es immer für bestimmte Stichtage, z.B. vierteljährlich. Das Ganze ist wie beim Boxkampf, wenn man auf beide Seiten setzt. Nur eben bei Aktien. Ein Teil des Fondsvermögens geht in Aktien, hier werden Kursteigerungen erhofft. Der andere Teil wird in Papiere investiert, die auf fallende Kurse spekulieren. Egal wie sich die Börse entwickelt - ein Teil steigt im Wert.

Risiko liegt in geringer Partizipation und hohen Kosten

Die Partizipationsquote wurde schon erwähnt - der Anleger kriegt nur einen Bruchteil dessen garantiert, was der Fonds erwirtschaftet.

Der zweite Knackpunkt sind die Kosten: Ausgabeaufschläge bis zu 5 %, plus jährliche Kosten von inzwischen meist 2 %. Die wollen erst mal wieder verdient sein.

Das Problem: Die meisten Garantiefonds sind so kompliziert dargestellt, dass selbst Experten sie nur schwer verstehen. Und normale Anleger schon dreimal nicht. Als Beispiel sei stellvertretend das von Geld-Magazin.de getestete Produkt DWS Flexpension 2018 genannt.

Der "selfmade" Garantiefonds

Als Alternative könnte man sich einen Garantiefonds selbst basteln: Nehmen wir einmal an, Sie möchten 50.000 Euro auf 10 Jahre anlegen. Dann müssten Sie 72 % Ihres Anlagebetrages, also 36.000 Euro, zum derzeitigen Zinssatz von 3,50 % p.a. sicher (als Sparbrief o.ä.) anlegen. Sie erhalten nach 10 Jahren knappe 50.800 Euro heraus, also ist Ihr Kapital gesichert. Mit dem Rest von 14.000 Euro können Sie in diesen 10 Jahren eifrig spekulieren - alles, was Sie an Gewinn erwirtschaften, erhöht Ihre Rendite. Und wie gesagt, die 50.000 Euro hätten Sie am Laufzeitende noch.
Je nach gewünschtem Anlagezeitraum und aktueller Zinssituation ergibt sich natürlich eine andere Quote, wieviel Geld Sie jeweils sicher anlegen müssten.

Geld-Magazin.de, 21.10.2009

 

 


gedruckt am  13.07.2020