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Im Test: Google Handy G1

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Rubrik: Telefonie

 

Seit 2. Februar ist es in Deutschland auf dem Markt: das Google-Handy G1, angeboten von T-Mobile. Was es kann, ob es wirklich so ein Wunderwerk ist ... die Experten von Stiftung Warentest haben es einem Schnelltest unterzogen. Ihr Fazit: ein Handy für "Tüftler, Trendsetter und Technikfreaks".

Foto: test.de

Preis: ab 659 Euro

T-Mobile verkauft das G1 (zunächst) nur mit 2-Jahresvertrag. Aufsummiert kommen die Monatsgebühren dann auf mindestens 659 Euro. Das Handy selbst gibt es für einen oder für 60 Euro – je nach Tarif. Das Google Handy ist auf T-Mobile kodiert. Mit SIM-Karten für Billigtarife funktioniert es nicht.

Vier Tarife zur Wahl

T-Mobile stellt vier Tarife zur Wahl: Combi Flat XS, S, M und L. Gestaffelt nach Monatsgebühr, Datenvolumen und Minutenpreisen. Der billigste Tarif XS kostet 24,95 Euro im Monat. 200 MB Daten via HSDPA sind inklusive., aber kein WLAN über T-Mobile-Hotspots. Das gestattet T-Mobile nur in den teureren Tarifen. Für das Handy berechnet T-Mobile im XS-Tarif 59,95 Euro. Gespräche kosten 29 Cent pro Minute, eine SMS 19 Cent. Am Wochenende sind Gespräche ins Festnetz und zu T-Mobile Handys kostenlos.

Optik, Ausstattung

Dem Google G1 gingen viele Erwartungen voraus, es sollte schneller und besser sein als das iPhone von Apple. Die Tester meinten: schick sei es auf jeden Fall, mit großem Display und wenigen Tasten. Die Anzeige ist immer sichtbar, und ungeschützt. Deshalb liefert T-Mobile Schutzfolie und Handytasche mit. Die Tastatur verbirgt der Slider unter dem aufschiebbaren Display. Dafür ist die Anzeige immer sichtbar.

Das Google Handy wirke eher wie ein Organizer, nicht wie ein Handy ... handtellergroß und fast zwei Zentimeter stark, also deutlich dicker als Apples iPhone. Dafür aber mit vollständiger Tastatur: perfekt für E-Mails und alle Texteingaben. (Alle, die einen Nokia Communicator haben, wissen diesen Vorteil zu schätzen!) Das Gehäuse gibt es wahlweise in Schwarz oder Weiß. Die Testredaktion kaufte ein weißes Gerät. Alles in allem isei das G1 zwar nobel, aber auch klobig und schwer: 158 Gramm Handy machen sich in der Hemdtasche schon störend bemerkbar.

Neue Softweare Android: Multitasking

Neu am T-Mobile G1 ist vor allem seine Software. Android heißt das Betriebssystem von Google. Android soll das Handy fürs Internet perfektionieren. Das System ermöglicht schnelles Surfen, gute E-Mail-Funktionen und den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Programme. Eben Multitasking.
Ein Plus im Vergleich zum iPhone. Auf dem Apple-Handy kann zurzeit immer nur ein Programm laufen. Googles Betriebssystem Android ist außerdem offen für alle: Das Open-Source-Projekt bietet Entwicklern Anknüpfungspunkte für zusätzliche Software. Auch das ist ein Vorteil: Experten rechnen in Zukunft mit immer neuen Programmen für Android-Handys. Viele davon wahrscheinlich kostenlos.

Zum Verkaufsstart hat das T-Mobile G1 zunächst mit Webbrowser, Google Maps, Google Mail, YouTube und Terminverwaltung. Zusätzlich: Barcodescanner und Preissuchmaschine Shop Savvy und der Stadtführer Wikitude. Weitere Programme gibt es über das Softwareportal Android Market. Der Zugang hierfür ist bereits integriert. Auch die ersten Schritte erlebten die Tester beim G1 weniger kompliziert als beim iPhone. SIM-Karte einlegen, anschalten und bei Google Mail anmelden: Fertig. Für die Anmeldung bei Google reicht der Name. Apple will beim iPhone dagegen Namen, Geburtsdatum und Adresse. Das sind unnötig viele Daten. Obendrein fragt Apple noch nach der Kontoverbindung.

Google Mail ist Pflicht

Beim G1 läuft die Anmeldung ohne Probleme. Google-Mail ist allerdings Pflicht. Das Handy synchronisiert E-Mails und Termine nur über diesen Account. Für die Verbindung mit anderen Mailsystemen fehlt derzeit die Software. Auch der Austausch von Mails und Terminen mit dem PC, etwa via Microsoft Outlook, ist nicht vorgesehen. Google will die Herrschaft über das Handy. Das bemängelten schon Verbraucherschützer aus Belgien und Großbritannien. Im Oktober 2008 kauften sie das erste europäische G1 bei T-Mobile in England. Die Stiftung Warentest beteiligte sich an diesem internationalen Test.  

Für Telefon und Internet gut geeignet

Das britische G1 kam auch in Deutschland zum Einsatz. Ergebnis: Zum Telefonieren und fürs Internet ist das Google Handy gut geeignet. Vor allem der Browser arbeitet flott. Webseiten kommen schnell und ohne Abstürze aufs Handy. Das große Display ist angenehm hell und zeigt gestochen scharfe Bilder. Auch kompliziertere Webseiten kommen schnell auf den Schirm. Navigiert wird per Fingerzeig oder Trackball. Beides funktioniert gut. Berührungsgesteuerte Gesten - wie beim iPhone -, etwa das Aufziehen von Bildern mit zwei Fingern, kennt das G1 allerdings nicht. Das Surfen mit dem Google Handy macht trotzdem Spaß.

 

Pluspunkt Tastatur, negativ die Kamera

Ein dicker Vorteil ist die vollständige Tastatur. Die trägt zwar auf, verleiht aber der Arbeit Flügel. E-Mails schreiben oder Webformulare ausfüllen geht mit dem G1 deutlich schneller als mit dem iPhone. Beim Apple gibt es nur virtuelle Tasten auf dem Bildschirm. Eine Schwäche teilen dagegen beide Handys: Ihre Bildschirme reagieren nur auf Finger. Eingaben mit einen Stift beispielsweise bleiben ohne Wirkung. Außerdem gibt es selbst beim mobilen Surfen noch Fesseln: den Stromverbrauch etwa. Das G1 ist im Test nach gut zwei Stunden Dauersurfen am Ende. Das iPhone hält länger durch: bis zu fünf Stunden. Eine Schwäche zeigt das Google Handy im Test: Der Webbrowser lässt sich nicht einfach schließen. Wer die Internetverbindung sicher trennen will, sollte das Handy deshalb ausschalten.

Als Fotohandy mache das T-Mobile G1 keine gute Figur. Die Bilder sind nur Mittelmaß. Die eingebaute Digitalkamera löst zwar hoch auf (3,2 Megapixel), funktioniert aber rein automatisch. Einstellmöglichkeiten für Weißabgleich oder Belichtung fehlen. Der Autofokus gibt kein Signal, wenn er scharf gestellt hat. Viele Aufnahmen verwackeln. Kein Wunder. Als Kamera liegt das klobige Handy nicht gut in der Hand. Bei schummriger Beleuchtung ist Schluss mit Fotos. Das G1 hat keinen Blitz, auch keine Videofunktion, weder für Aufzeichnungen noch für Telefonate.

Multimedia schlechter als beim iPhone

Als Multimedia-Spieler ist das G1 ebenfalls kein Hit. Videoclips gibt es nur via YouTube. Die direkte Wiedergabe von Videodateien funktioniert nicht. In puncto Audiodateien ist das G1 dagegen groß. Es liest viele Formate. Neben MP3, WMA und WMV auch AAC, AAC+, AMR-NB und MIDI-Dateien. Ein Tausendsassa mit gutem Bedienkonzept. Titelanzeige und Steuerung sind ohne Tadel. Auch der Datentransfer - vom Internet und vom Rechner - funktioniert reibungslos und schnell.

An Apples Musikqualitäten reicht das Google Handy trotzdem nicht heran. Schuld ist der Klang: Das T-Mobile G1 liefert nur mäßigen Sound. Selbst ein hochwertiger Kopfhörer treibt das Gerät nicht zu höheren Symphonien. Dass dem G1 der klassische Kopfhöreranschluss für Mini-Klinkenstecker fehlt, spielt deshalb kaum noch eine Rolle. Ärgerlich ist es trotzdem. Wer seinen Lieblingskopfhörer anschließen will, braucht einen Adapter von Miniklinke auf Mini-USB. Stereo-Bluetooth beherrscht das Google Handy auch nicht. Drahtlose Kopfhörer bleiben deshalb ohne Funktion.

Testzusammenfassung und Tarife

Das T-Mobile G1 ist nach den Experten von test.de ein gutes Internethandy zum Surfen und Mailen. Der Webbrowser ist erstaunlich schnell. Die Mail-Funktionen sind ohne Tadel. Dateianhänge wie PDFs oder Worddokumente öffnet das Handy allerdings nicht. Der automatische Empfang von E-Mails (Push E-Mail) funktioniert nur mit Google-Mail. Ein Datenaustausch via Outlook oder Blackberry ist nicht möglich. Kamera und MP3-Spieler enttäuschen. Das Google Handy wirkt edel, ist aber klobig und schwer. Alles in allem ein Internethandy für Tüftler, Trendsetter und Technikfreaks. Wer stets das Neuste braucht, muss auch das G1 haben. Wer nur das Beste will, der wartet besser. Das G1 wirkt derzeit noch etwas unfertig. Einerseits hochmodern: mit Multitasking und Satellitenortung. Andererseits mittelmäßig: schwach im Klang und ohne Sprachausgabe. Wichtige Grunddinge fehlen noch. Etwa ein Standard-Kopfhöreranschluss oder Stereo-Bluetooth.

Für Sparfüchse sind die G1-Tarife ohnehin nicht geeignet. Die Gespräche kosten 29 Cent pro Minute, eine SMS 19 Cent. Datenverbindungen sind im billigsten Tarif, Combi Flat XS, nur bis 200 MB frei. Jedes weitere MB kostet 49 Cent. Das gibt es alles schon deutlich billiger. Gespräche und SMS ab 9 Cent, Datenverbindungen ab 24 Cent pro MB. Mobilfunkdiscounter wie Fonic, Congstar oder Simply bieten solche Preise an. Die Combi Flat-Tarife von T-Mobile sind Tarife für Trendsetter, die viel telefonieren und dabei nicht auf das günstigste Angebot angewiesen sind. Der Wechsel zu einem Billigtarif ist in den ersten zwei Jahren ausgeschlossen: Das G1 funktioniert in dieser Zeit nur mit T-Mobile-Vertrag.

Alle Ergebnisse inklusive Tabellen finden Sie bei test.de