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Banken: Der neue Trend ist nachhaltig, sozial und grün

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Rubrik: Aktuell

 

Finanzkrise sei Dank: Man hat das gute Gewissen bei Geldgeschäften entdeckt. Rendite und Profit sind nicht mehr alles, sozial, ethisch und nachhaltig soll es sein. Zumindest wenn man sich die Werbung der Kreditinstitute und die aktuellen Trends sowie Umfrageergebnisse anschaut.

Banking: Nachhaltig, social - das sind die Trends

Seit zwei Jahren gibt es auch schon einen nebenberuflichen Masterstudiengang "Social Banking and Social Finance", den das Bochumer Institut for Social Banking (ISB) anbietet.

Grüne, ethische und ökologische Banken - die zweite Welle kommt

Wer erinnert sich noch an die Frankfurter Ökobank, gestartet in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts? Damit wurde erstmals die breite Öffentlichkeit auf das Thema "grüne Bankgeschäfte", oder wie es so schön neudeutsch heißt, "green banking", aufmerksam. Inzwischen ist die Ökobank in der Bochumer GLS Bank aufgegangen. Diese bildet, zusammen mit der Nürnberger Umweltbank und der Eisenberger Ethikbank, den Kern der deutschen Bankenszene für ökologische und ethisch ausgerichtete Bankgeschäfte.

Jedenfalls bis 2009. War die Zeit reif? Jedenfalls waren (und sind) die Deutschen häufig bankverdrossen, seit die Finanzkrise vor allem durch einige zu riskant handelnde Banken ausgelöst wurden. Dazu kam noch, dass diverse Banken und Sparkassen falsch / nicht ausreichend beraten hatten, und risikoaversen Kunden Lehman-Zertifikate verkauft hatten. Die Folge: Die drei bisher am Markt vertretenen "grünen Banken" hatten guten Zulauf.

Parallel wurde mit der noa bank eine neue Bank gegründet, die den hehren Anspruch der Transparenz und des social banking hatte. "Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld? Sie wissen es nicht? Es wird Zeit, dass sich das ändert!" Schöne Worte, die den Nerv des deutschen Bankkunden treffen. Aber .... den Worten sollten auch Taten folgen, und wie sich das Bankgeschäft der noa bank entwickelt hat, ist leider immer weniger transparent ... ein Produktangebot nach dem anderen wurde eingestellt, die Tagesgeldkunden durften nicht mehr einzahlen (was sogar gegen die Produkt-AGB verstößt). Inzwischen wurde bekannt, dass die Aufsichtsanstalt BaFin eingegriffen hatte, und Ende Juni die Entgegennahme von Einlagen sowie die Kreditvergabe untersagt hat.

Auch die Fidor Bank wurde 2009 gegründet, und soll die erste "Community Bank" sein. Die Kunden und die Fidor Community bestimmen, welche Produkte (und zu welchen Konditionen) angeboten werden.

Ebenfalls neu auf dem deutschen Markt, aber keine Neugründung, ist die niederländische Triodos Bank. Seit Jahrzehnten in Europa erfolgreich tätig, hielt sie nun wohl auch den deutschen Kunden für "reif" ...

Was ist eigentlich Social Banking?

"Social Banking stellt einen neuen Ansatz im Bankengeschäft mit Privatkunden dar, der die Geldanlage und Kreditvergabe durch eine direkte und transparente Verbindung zwischen Anleger, Kreditgeber und den finanziellen Institutionen ermöglicht." So definiert Lothar Lochmaier, frei nach Gartner Group, in seinem Buch "Die Bank sind wir" Social Banking.

Demnach wären auch solche Kreditplattformen wie Smava "social", da sie volle Transparenz zwischen Geldanlage und Geldverleihen ermöglichen.

Der ökologische Anspruch findet sich hier nicht wieder. Was sich aber bei auffallend vielen Kreditinstituten und Finanzdienstleistern in den Aussagen und der Positionierung wiederfindet, ist das Wort "Sinn" - direkt oder umschrieben:

  • "Geben Sie Ihrem Geld den Sinn, den Sie wünschen" - Slogan der noa bank.
  • "GLS Bank - das mach Sinn."
  • "Ihr Geld kann mehr" - Slogan der UDI, eines Pioniers für ökologische Geldanlagen

    und besonders weit hergeholt:
  • das Tagesgeld, mit dem Sie mehr bewirken" - Werbung der GE Capital Direkt.

Macht dieses "mehr bewirken, Sinn stiften" bei ökologischen oder nachhaltigen Finanzanbietern noch Sinn, so ist es bei der GE Capital Direkt eher ein verkrampfter Versuch, auch auf dieser Welle zu reiten. Denn dass die Einlagen dann an den Mittelstand (u.a. Handwerker) ausgeliehen werden, ist bei eigentlich fast jeder Sparkasse der Fall.

Geld mit Sinn

Das Anliegen, Geld mit Sinn "auszustatten", hat auch die gleichnamige Initiative aus München. Gestartet im Frühsommer 2010, hat  "GELD mit Sinn!" den Ansatz "Wissen, wofür das eigene Geld arbeitet". Die beiden Gründerinnen möchten von der Finanzkrise verunsicherten Anlegerinnen und Anlegern neue Perspektiven für ihre Geldanlage bieten; sie quasi begleiten auf der Suche nach sinnvollen, sicheren Anlagemöglichkeiten, nach vertrauenswürdigen Beraterinnen und Beratern, und nach Banken, die nachhaltige Finanzprodukte anbieten. Der Schwerpunkt liegt bei "GELD mit Sinn!" also auf Fairness, Transparenz und auf ökologischen Geldanlagen. Es wird eine Reihe von Veranstaltungen geboten, sowohl Information als auch Erfahrungsaustausch sowie konkrete Anlageberatung. Dabei soll speziell die Finanzkompetenz von Frauen gefördert werden, aber auch wissbegierige Herren sind willkommen.

Anlageberatung der Banken wieder stark kritisiert

FINANZtest titelte am 20. Juli "Banken im Test - Die Blamage geht weiter". Und präsentierte die Fortsetzung des Anlageberatungstestes aus dem Herbst 2009. Wieder wurden 21 Banken auf ihre Kompetenz  in der Anlageberatung getestet. Um wieder marktschreierisch verkünden zu können: "Fazit: Die Bera­tung der Banken ist immer noch schlecht."

Denn 6 von 21 getesteten Banken haben die Note "mangelhaft" erhalten. Festgemacht wurde dieses unbestritten traurige Testergebnis an der Tatsache, dass viele Berater nicht das gesetzliche erforderliche Beratungsprotokoll ausgehändigt hätten, oder nur falsch ausgefüllt. Kritisch ist aus unserer Sicht - wieder - das gezielte "Fallenstellen", um es mal salopp auszudrücken. Und dass im Text diese Passage ganz untergeht: "Die Qualität der Anlageberatung – der eigentliche Mittelpunkt des Tests – gerät wegen der Gesetzesverstöße fast in den Hintergrund. Dabei haben sich die Banken hier verbessert. " Dabei heißen wir selbstverständlich eine Nichtbeachtung rechtlicher Vorschriften nicht für gut. Aber allein darauf das Testergebnis aufzubauen bringt weder Kunden noch Banken etwas.

Ebenfalls auffällig: Die getesteten Banken und Sparkassen. Da war keine einzige der ökologischen oder nachhaltigen Banken dabei. Und es war auch keine einzige Direktbank dabei - heißt das im Umkehrschluss, FINANZtest traut erstens Direktanbietern überhaupt keine kompetente Anlageberatung zu und zweitens nachhaltige Banken sind vernachlässigbar? Denn gerade hier wären die Testergebnisse interessant! Schade, Chance zugunsten Marktschreierei vergeben, Stiftung Warentest.

Nachhaltig, ethisch, ökologisch wird salonfähig 

Zwar haben diese Banken und Finanzdienstleister seit Beginn der Finanzkrise immer stärkeren Zulauf. Im Vergleich zu den Kundenzahlen großer Banken (Deutsche Bank, ING DiBa u.a.) und Sparkassen sind die Kundenstämme aber noch überschaubar. Woran liegt es?

"Dies dürfte sich unter dem Einfluss eines gesellschaftlichen Umdenkens in Richtung nachhaltiges Wirtschaften allmählich ändern, vorausgesetzt die nachhaltigen Institute öffnen sich selbst stärker undogmatischen Zielgruppen, die eine ökologische Orientierung der Geldanlage zwar befürworten, jedoch nicht um den Preis von schlechteren Konditionen und höheren Gebühren." So bringt es Lothar Lochmaier, Experte Social Banking, auf den Punkt.

Anders ausgedrückt: Der Preis muss auch stimmen!   

Geld-Magazin.de, 21.07.2010


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