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Grün: die neue Modefarbe der Banken

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Rubrik: Aktuell

 

"Zeit für einen Wechsel, Zeit für green banking" verkündet Sean Connery in sonorem Schottisch im neuen TV-Spot der französischen Bank Credit Agricole. Unterlegt mit vielen emotionalen Bildern, läuft er in Deutschland vor allem bei Eurosport. Auch die Deutsche Bank springt auf den "grünen Zug" auf:

Grünes Geld, green banking ist in

"Investieren Sie in Zukunft. Mit den grünen Produkten der Deutschen Bank."

Was heißt das überhaupt - grünes Banking? Schaut man sich die verschiedenen Green Banking-Spots der Credit Agricole an, gewinnt man den Eindruck, mit grünem Banking endet die Umweltverschmutzung, die Zubetonierung der Landschaft, überfüllte Straßen und Luftwege gehören der Vergangenheit an. Super gemacht, ja, mit bewegenden Bildern. Und der einfachen Botschaft "Zeit, zu handeln".

Nur sei die Frage erlaubt, ob eine Bank und ihre Produkte diese Wirkung haben können? An anderer Stelle erläutert Credit Agricole, was sie unter green banking verstehen - nämlich verantwortungsvoller Umgang mit Kunden und vor allem in der Kreditvergabe, vor allem Förderung des Mittelstandes und der Landwirtschaft, Unterstützung Erneuerbarer Energien und Reduzierung des CO2-Ausstoßes. 

Green banking gleich social banking?

Damit stellt sie sich in eine Reihe mit den in Deutschland in den letzten Monaten gestarteten Bankprojekten, die sich alle unter dem Begriff "social banking" etablieren möchten. Ist grün = sozial? Und muss man das eigentlich extra betonen?

Boris Janek von den VR-Banken bringt es auf den Punkt: "Banking braucht auch die Vorsilbe Social nicht, denn eine Unterscheidung zwischen Banking und Social Banking macht überhaupt keinen Sinn. Banking ist immer "Social", da es sich um eine Diensleistung von Menschen für Menschen handelt und es insofern für alle Unternehmen in diesem Bereich darum gehen muss ein nachhaltiges Produkt anzubieten, welches beiden Seiten weiter hilft."

Gerade die Kreditinstitute und Finanzdienstleister haben es mit ihrer Geldvergabe (oder eben Kreditverweigerung) sowie den angebotenen Anlageprodukten in der Hand, Trends und Entwicklungen zu bestimmen. Werden verstärkt "grüne Geldanlagen", sprich Beteiligungen in Erneuerbare Energien, angeboten, so werden immer mehr solche Anlagen realisiert. Und immer mehr Strom / Wärme wird ohne Umweltbelastung gewonnen.

Genauso mit der Finanzierung - gerade Mittelständler, Handwerk und kleinere Unternehmen brauchen finanzielle Unterstützung; hier kann mit restriktiver Kreditvergabe sehr viel kaputt gemacht werden ... Natürlich soll dies kein Aufruf zu unkontrollierter Darlehensbewilligung sein - jede Bank, jede Sparkasse muss natürlich Risiko und Ertrag abwägen.

Wollen die Kunden überhaupt green banking?

Oder social banking? Bis Ende 2009 war der Kundenzuspruch bei den "Neuen", Triodos, noa bank, Fidor überschaubar. Die "Platzhirsche" GLS Bank, EthikBank und Umweltbank konnten dank der Finanzkrise seit Ende 2008 zulegen. Und neue Modelle wie Smava, eine Plattform, die Anleger und Darlehensinteressenten direkt - ohne Einschaltung einer Bank - zusammenbringt, erfreuen sich auch immer mehr Zuspruchs. Allerdings auf geringem Niveau, betrachtet man die Millionen-Kundenzahlen bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie den großen Banken Commerzbank, Deutsche Bank, ING DiBa u.a.

Eigentlich müsste doch jeder Bankkunde ein Interesse an einer lebenswerten Zukunft haben. Und daher auch an "grünem", sozialem Banking. Und ökologisch sinnvollen Produkten. Und nachhaltigen Banken. Eine Umfrage von Geld-Magazin.de Ende 2009 brachte aber das - wenig überraschende - Ergebnis:

Gefragt nach den Aspekten bei ihrer Anlageentscheidung, entscheiden

  • 44,1 % nach Rendite in Relation zum Risiko
  • 17,6 % nach Höhe der Rendite
  • weitere 17,6 % allein nach Höhe des Zinse
  • 8,8 % nach Nachhaltigkeit der Anlage
  • 2,9 % unter ökologischen Aspekten
  • und 8,8 % nach einem Mix aus allen Kriterien.

Das heißt, als allererstes muss die Kondition stimmen. Wenn dann noch "grün, sozial, nachhaltig" dabei ist - umso besser.

Kundenpräferenzen entscheiden

Fraglich auch, ob eine Bewegung wie in den USA unter move your money entstanden, in Deutschland Erfolg hätte. Hier werden die Bankkunden aufgefordert, von nicht nachhaltig, ökologisch und ethisch korrekt arbeitenden Banken zu solchen, die es tun, zu wechseln. Also zum Beispiel weg von der Großbank, die die Rüstungsindustrie unterstützt, hin zu regionalen Banken, die den Mittelstand vor Ort finanzieren.

Das ist aber letztendlich der einzige Weg, Banken zum Umdenken und zu wirklich sozialem (und damit grünem im Sinne zukunftswertem) Banking zu bewegen - in dem man einfach sein Konto und seine Finanzdienstleistungen nur noch dort hat, wo das nicht nur leere Worte sind.

Grün draufschreiben kann jeder, grüne Farbe ist geduldig ... mit Leben muss es gefüllt sein - und darf natürlich nicht zu Lasten der Kondition gehen.

Geld-Magazin.de, Anette Rehm, 7.2.2010

 

 


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